Wer sind wir?

Wir konsumieren zu viel. Viel zu viel. Darüber wird nicht gesprochen, wenn es darum geht das drohende (Klima-)Desaster abzuwenden. Es wird über CO2-Einsparung gesprochen und warum sie nicht passiert. Wenn man Glück hat wird auch noch über Wälder gesprochen. Über den Wasserkreislauf schon fast gar nicht mehr.

Zu viel Konsum hat nicht nur zur Folge, dass wir unsere gemeinsame Welt zerstören, sondern auch dass wir uns physisch und psychisch abhängig machen (gemacht haben). Wir sind Junkies. Jeder für sich aber insgesamt nach allem. Wir sind süchtig nach Essen, Zigaretten, Bier, Aufmerksamkeit, Beziehungen, Videospielen, Einkaufen, Netflix, Autos, Fahrrädern, Erlebnissen, Musik, Möbel, Liebe...

Süchtig ist man, wenn man einen Mangel hat. Süchtig ist man, wenn man nicht einsieht, dass der weitere Konsum des Suchtmittels nicht dazu führt, dass der Mangel aufgehoben wird. Süchtig ist man, wenn man es zwar eingesehen hat aber trotzdem nicht aufhören kann.

Es ist mittlerweile offensichtlich, dass wir konsumieren um zu konsumieren und nicht um ein Bedürfnis zu befriedigen. Das tun wir weil wir gerne geglaubt haben, dass man so glücklich wird. Wir lassen uns oft in langweilige und manchmal in ausbeuterische Jobs stecken, um mehr zu konsumieren oder um den Kredit, den man schon hat, abzubezahlen. Wir wissen nicht mal mehr was unsere Bedürfnisse sind, sondern managen nur noch unsere Sucht.

Die Verweigerung zu sehen, dass unser Suchtverhalten den Planeten umbringt ist ein Symptom der Sucht. Es hilft nur Entzug. Und das nicht nur um unseren Planeten willen, sondern auch um unser selbst willen. Aufzugeben was man geglaubt hat, sich einzugestehen, dass man sich unnötig angestrengt hat und dass man sich - offen gestanden - verarschen hat lassen, ist hart und das können wir nur gemeinsam bewältigen. Das braucht Verständnis und Zeit. Zeit haben wir aber nicht mehr viel.

Verzicht kann man ins Englische mit sacrifice übersetzen, welches einen lateinischen Ursprung hat und so viel wie „etwas heilig machen“ bedeutet. Verzichten wir also z.B. darauf auf die Malediven zu fliegen, können wir das auch tun weil wir erkannt haben, dass die Malediven nicht da sind um für uns Kulisse und Konsumprodukt zu sein, sondern weil sie einen Wert für und an sich haben. Verzichte ich darauf dorthin zu fliegen und damit darauf dazu beizutragen sie zu zerstören, erkenne ich erst deren echten Wert. Erkenne ich den intrinsischen Wert dieser Inseln kann ich in einen echten Austausch mit ihnen treten. Ich kann in ein Resonanzverhältnis mit den Malediven kommen eben weil ich sie nicht besuche.

Auf Deutsch bedeutet Verzicht die Aufgabe eines Anspruches auf etwas. Die Aufgabe des Anspruches etwas zu konsumieren bedeutet also nicht zwangsläufig, dass man es nicht konsumiert, sondern, dass man sich klar darüber wird etwas zu tun was man genauso gut sein lassen könnte. Mit dem Verzicht kann man üben sich die Frage zu stellen, wer oder was man eigentlich ganz persönlich ist. Was oder wer in mir will jetzt die nächste Zigarette rauchen oder die nächste Amazonbestellung aufgeben? Und wer oder was bleibt übrig wenn ich darauf verzichte? Wer bin ich, wenn ich nicht süchtig bin? Wer oder was tritt eigentlich in ein Verhältnis zu dem was man potentiell konsumieren kann? Verzicht kann so am Ende bereichernder werden als Konsum weil man sich selbst entdecken kann.

Die Erkenntnis, dass wir sehr viel weniger konsumieren müssen, wenn wir (gut) überleben wollen, kann der Beginn eben dieses guten Lebens sein und dafür sich selbst zu finden. Ganz nebenbei retten wir damit auch noch unseren Planeten.