Von der Zukunft, die es nicht gibt

Ich habe neue Motivation für meine Masterarbeit in Soziologie gefunden. Ich habe mich daran erinnert was ich eigentlich kann und schon gelernt habe und wie ich das einsetzen kann, um in der aktuellen Situation hilfreich zu sein.

Die aktuelle Situation? Pandemie, Klima, soziale Spaltung, psychische Gesundheit. Verwirrt stehe ich z.B. vor der Tatsache, dass es an diesem Wochenende in Österreich Schlangen vor Impfstraßen gibt. Ab morgen werden die Freizeitmöglichkeiten für Menschen, die nicht geimpft sind, stark eingeschränkt. Das dürfte der Anlass für die Schlangen sein aber das ist keine Erklärung. Ist es wirklich so einfach, dass der Widerstand gegen die Impfung nur deshalb in sich zusammenbricht weil man ansonsten nicht mehr ins Kino oder Wirtshaus darf? Dann stellt sich aber die Frage weshalb vorige Überzeugungsversuche nicht gewirkt haben. Wie gesagt, ich bin verwirrt.

Anderes Thema (um zur Masterarbeit zurückzukommen): Junge Menschen leiden schon jetzt an der Klima- und Umweltsituation. Sie sehen eine Katastrophe kommen und sehen die Älteren, die so weitermachen wie bisher. Verzweiflung, die sich entweder in Form von psychologischen Beschwerden (Angst, Depression) oder Aktionismus (Fridays for Future) ein Ventil sucht. Wahrscheinlich oft in beidem gleichzeitig.

Es scheint als ob sich die Alten und die Jungen nicht mehr verstehen. Eine meiner Vermutungen ist, dass das daran liegt, dass man in anderen Welten lebt, andere Prioritäten hat oder vielleicht sogar, dass man andere Persönlichkeiten hat? Persönlichkeit entwickelt sich in einem Zusammenspiel aus biologischen Anlagen, Umgebung und aus dem Umstand das man ein Subjekt ist. Als Subjekt findet man eine Welt vor, die von den Generationen davor erschaffen wurde. Junge Menschen wachsen in eine Kultur hinein, in der ihre Zukunft nicht vorkommt und die als resistent gegenüber Veränderung auftritt. Das könnte Persönlichkeitsstrukturen in ihnen verankern, die sich fundamental von denen älterer Generationen unterscheiden.

Ob das so ist bzw. welche Auswirkungen das auf unsere gemeinsame soziale Welt hat bzw. auf die Herausforderungen die uns bevorstehen, wird wohl ein großer Teil meiner Masterarbeit sein. Denn eines scheint langsam klar zu werden: Die Zukunft wird bedeutend anders als die Gegenwart. Entweder weil wir in eine Katastrophe laufen oder weil wir umfassende Maßnahmen ergreifen, um die Katastrophe zu verhindern. Wenn meine Masterarbeit einen kleinen Teil zu zweiterem Beitragen kann, muss ich das wohl machen.