Öffentlichkeit des Ausschlusses

Wir leben nun seit längerer Zeit schon mit und in einer Pandemie. Ich glaube, dass es besser wäre, wenn sich mehr Menschen impfen lassen würden. Ich sehe aber auch, dass mir kein Argument einfällt, das ich etwa meinen Verwandten vorbringen könnte, damit sie sich impfen lassen. Daher probiere ich es nicht. Auf mich wirkt es, als ob viele Menschen kein Vertrauen mehr haben. Kein Vertrauen in die Medien, in die Instiutionen, in die Wissenschaft, in die Politik aber vor allem kein Vertrauen mehr in sich selbst.

Gerade in unsicheren Zeiten, in denen wir leben, wäre Vertrauen eine wichtige Stütze, um durch diese Zeit zu kommen. Es scheint mir, dass viele Menschen in einem Abwehrkampf sind. Sie vertrauen ihrer eigenen Offenheit und Widerstandsfähigkeit so wenig, dass sie sich mental völlig abkapseln. Es gibt nur wenig Bereitschaft andere Meinungen, andere Ansichten, schlicht andere Menschen auszuhalten.

Ich sehe Menschen die leiden und sich aus Angst noch mehr zu leiden in sich oder in den engsten Familien- oder Freundeskreis zurückziehen oder noch schlimmer einfach einsam sind.

Dieses Leiden könnte aber dazu genutzt werden, um zu verstehen, dass man als Mensch nur dann ein Mensch ist, wenn man sich als ein Teil einer Gemeinschaft, der Welt versteht. Dein Schutz ist mein Schutz, mein Glück ist dein Glück. Dein Leiden ist mein Leiden. Als vereinzelter Mensch wird man unmenschlich. Auf allen Seiten sehe ich unmenschliche Reaktionen von Leuten, die Menschen sein wollen. Die ihr Menschsein beschützen wollen. Wenn der Schutz aber darin besteht sich von der Gemeinschaft abzulösen oder zu erklären, dass andere kein Teil mehr davon sind, verliert man genau das, was man eigentlich beschützen will.

Wir könnten beginnen zu verstehen, dass es nicht nur darum geht, ob man selbst krank wird oder nicht, sondern, dass das Virus uns als Gemeinschaft betrifft, wir Teil dieser Gemeinschaft sind und wir durch Selbstschutz jede/n einzelne/n in der Gemeinschaft schützen. Wenn man Angst vor der Impfung hat aber einem trotzdem an der Gemeinschaft gelegen ist bedeutet das leider, dass man sich selbst von der Gemeinschaft zurückziehen muss. Ich habe aber die Vermutung, dass dieser Rückzug sich besser anfühlen würde als der Rückzug der aus einer Reaktion gegen die Gemeinschaft entsteht.

Und ich meine hier auch die, die geimpft sind und alle verurteilen, die sich nicht impfen lassen wollen. Die Gemeinschaft zu beschützen bedeutet nämlich auch niemanden auszuschließen, auch wenn man diese Mitglieder der Gemeinschaft nicht versteht. Zur Gemeinschaft gehört jeder und jede. Schließen wir aus, tun wir uns selbst weh.