Die neue Seltsamkeit (2/n)

<< Teil 1

„Und noch bevor der Morgen graut
Werden vereinzelt Stimmen laut
Dass man sich zwar nicht sicher sei
Doch man sei auf jeden Fall dabei“

Man kann das alles natürlich ignorieren aber das führt nur dazu, dass man sich einredet davon frei zu sein. Aber wenn man sich einredet frei zu sein, kann man nicht entkommen (Ram Dass). Man sieht also, wenn man auch das nicht aktiv ignoriert, beim meditieren, oder beim Yoga, oder beim „entspannten“ Waldspaziergang, bei dem man nicht mal ansatzweise entspannt ist oder wird, dass man alles andere als frei ist.

Und um das alles besser zu verstehen, kann man zum Beispiel versuchen die Perspektive zu wechseln. Ich habe mal die Idee aufgeschnappt, dass man sich einfach ein Weltbild aussuchen kann, versuchen kann danach zu leben und dann wird man überrascht sein was passiert. Das wäre ein erster Schritt Richtung Freiheit. Es wäre noch keine Freiheit aber eine Annäherung. Man kann zum Beispiel, wie ich das in den letzten Wochen und Monaten hin und wieder versuche, auf die Welt sehen und sich denken, dass man nicht in der Welt ist, sondern, dass die Welt in einem ist. Das stellt einen ersten Bezug zwischen einem selbst und der Welt „da draußen“ her. Das verschiebt die Perspektive. Denn woher will man eigentlich wissen, ob die eigene Perspektive überhaupt angemessen ist? Und wer gesteht sich schon ein, dass man einfach nur eine weitere Perspektive hat?

Um einen solchen Perspektivenwechsel zu versuchen braucht es aber Vertrauen. Oder blanke Verzweiflung. So kriecht man also voran. Und wenn man Glück hat, sieht man für einen Moment, dass es tatsächlich möglich ist, die Perspektive zu wechseln und dadurch, wenn es gelingt, tatsächlich alles anders ist, man in diesem Moment also wirklich kurz frei ist. Und dann wird man aufgeregt. Und wir haben nie gelernt zwischen Aufregung und Angst zu unterscheiden. Aber wahrscheinlich sagt uns die Aufregung, die wir als Angst interpretieren nur, dass wir gerade etwas Neues erleben und aufmerksam sein sollten. Wir interpretieren aber diese Aufregung so wie sie wir sie immer interpretiert haben. Das ist dann jeweils ganz persönlich. Ich z.B. fühle mich immer bedroht wenn ich aufgeregt bin und wenn ich mich bedroht fühle, geben mir meine Gedanken 100 Gründe warum es durchaus Sinn macht mich bedroht zu fühlen und dann denkt man, dass man wegen all den blöden anderen Menschen Angst hat, oder wegen den vielen Autos, oder dem Klimawandel oder was auch immer und dann ist man wieder verloren, dann ist man wieder unfrei. Man ist wieder im Selbstbezug. Man glaubt zwar über andere Menschen oder Autos oder den Klimawandel nachzudenken, in Wahrheit reagieren die eigenen Gedanken aber nur auf die eigenen Gefühle, worauf wieder die Gefühle reagieren, worauf neue Gedanken als Reaktion kommen und immer so weiter und im schlimmsten Fall bis zum Tod.

Merken kann man sich also, dass es durchaus manchmal möglich ist die Perspektive zu wechseln und dass man manchmal wirklich kurz frei sein kann. Und dann will man da dabei sein, bei dieser Freiheit.

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